Künstler und Interpret

Tibor Varga gilt als eine der größten Musikerpersönlichkeiten seiner Zeit. Als eminenter Geiger, Solist und Dirigent sowie als Begründer eines eigenen Violinstils prägte er entscheidend die Interpretationsgeschichte des 20. Jahrhunderts. Der charakteristische Varga-Ton ist bis heute unverkennbar und unvergleichlich.

Tibor Vargas Repertoire als Solist, Dirigent und Interpret von Kammermusik umfasst rund 1000 verschiedene Kompositionen, darunter

  • mehr als 30 Welturaufführungen, u. a. die Violinkonzerte von Blacher, Krenek, Nyström, Paccagnini, Prado, Seiber, Skalkottas und Zillig
  • zahlreiche Erstaufführungen in verschiedenen Ländern, u. a. die Violinkonzerte und weitere Werke von Bartók, Berg, Bleuse, Schönberg, Strawinsky, Valen etc.

Eine ganze Reihe von Werken interpretierte Varga sowohl als Solist wie als Dirigent, z. T. in beiden Funktionen simultan (Solist und Dirigent in Personalunion), u. a. die Violinkonzerte von Beethoven, Mozart, Mendelssohn, Paganini etc.

Geiger und Solist

Als Solist trat Varga mit den bedeutendsten Dirigenten seiner Zeit hervor: Ansermet, Bernstein, Böhm, Boulez, Ferrara, Fricsay, Furtwängler, Markevitch, Solti u. a. Darüber hinaus spielte er zahlreiche Platten für EMI, Columbia, die Deutsche Grammophon und andere renommierte Schallplattengesellschaften ein, u. a. mit dem Philharmonia Orchestra London und den Berliner Philharmonikern.

Seine Interpretationen der Violinkonzerte von Beethoven, Brahms, Nielsen, Tschaikowsky etc. setzten weithin Maßstäbe, desgleichen seine Wiedergaben der Musik Johann Sebastian Bachs und Wolfgang Amadeus Mozarts. Obwohl Tibor Vargas Ruhm auf seinen aufsehenerregenden Darbietungen der klassischen Violinliteratur gründete, stand er bereits in den 1940er Jahren auch in dem Ruf, einer der herausragendsten Interpreten zeitgenössischer Werke zu sein.

Durch seine Interpretationen und Aufnahmen machte er die Violinkonzerte und andere Kompositionen Bartóks, Bergs und Schönbergs bis nach Australien bekannt und verhalf ihnen zu ihrem Durchbruch im internationalen Musikleben.

Die europäische Erstaufführung des Violinkonzertes von Arnold Schönberg durch Tibor Varga 1949 im Rahmen der Woche für Neue Musik Frankfurt-Darmstadt wurde legendär. Kein Geringerer als Schönberg selbst dankte dem Künstler brieflich für die „überwältigende Darstellung“ seines Violinkonzertes :

„Es klingt wirklich so, als ob Sie das Stück schon 25 Jahre kennen würden, so reif, so ausdrucksvoll, so wohlgestaltet ist Ihre Wiedergabe. Ich muss sagen, dass ich noch nie eine so gute Aufführung kennen gelernt habe, bei welcher ich nicht an jedem Detail mitgeholfen hatte (…) Ich danke Ihnen sehr für dieses Erlebnis, und ich wollte, ich wäre jünger, um Ihnen mehr Material dieser Art zu verschaffen.“ (vgl. Schönberg, Briefe).

Daneben brachte Tibor Varga zahlreiche Kompositionen, die ihm teils auch gewidmet sind, zur Uraufführung, u. a. die Violinkonzerte und andere Werke von Blacher, Krenek, Nyström, Prado, Seiber, Zillig

Dirigent

Auf Anraten seines Freundes Franco Ferrara, eines der bedeutendsten Dirigenten der Nachkriegszeit, trat Tibor Varga seit Mitte der 1950er Jahre auch als Dirigent hervor, sowohl als Gastdirigent wie als Gründer, Künstlerischer Leiter und Chefdirigent eigener Ensembles. 1954 gründete er das Kammerorchester Tibor Varga Detmold (KOTV, 1954–1988), dessen über 500 Werke umfassendes Repertoire sich vom 18. Jh. (Barock) bis zur Moderne (Bartók, Krenek, Schönberg, Schostakowitsch …) erstreckte. Anfang der 1960er Jahre rief er mit dem Orchestre du Festival Tibor Varga (1964–2001) ein eigenes Sinfonie- resp. Festivalorchester ins Leben. Das 1988 gegründete, ganzjährig in Erscheinung tretende Orchestre de l’Académie Tibor Varga (1989–2002) übernahm nach 1988 die Rolle des einstigen KOTV. Darüber hinaus war Varga zeitlebens Gastdirigent international renommierter Orchester.

Makes History…

                     The Herald, Sydney

Der Interpret Tibor Varga

Tibor Vargas Interpretationen als Solist, Dirigent und Interpret von Kammermusik umfassen mehr als 1000 Werke, darunter die bedeutendsten Werke der Violinliteratur, u. a. ca. 300 Violinkonzerte.

  • mehr als 30 Welturaufführungen, u. a. die Violinkonzerte von Blacher, Krenek, Nyström, Paccagnini, Prado, Seiber, Skalkottas und Zillig
  • zahlreiche Erstaufführungen in verschiedenen Ländern, u. a. die Violinkonzerte und weitere Werke von Bartók, Berg, Bleuse, Schönberg, Strawinsky, Valen etc.
  • J. S. BACH : das Gesamtwerk für Streicher (Sonaten, Sonaten und Partiten für Violine solo, Konzerte) ; sämtliche Brandenburgischen Konzerte und Ouvertüren sowie mehrere Cembalokonzerte und Kantaten
    (zudem auswendig auf dem Piano : Das Wohltemperierte Klavier, Bd. 1 u. 2)
  • ebenfalls erwähnenswert : die denkwürdige Aufführung des Messias von G. F. Händel
  • BARTOK : die Violinwerke (Erstaufführung in mehreren Ländern) : Violinkonzerte no. 1 et 2, Sonaten für Violine und Klavier, Solosonate ; Divertimento für Streicher ; mehrere Streichquartette ; Musik für Saiteninstrumente, Schlagzeug und Celesta etc.
  • BEETHOVEN : Violinkonzert und Romanzen für Violine und Orchester ; sämtliche Violinsonaten ; mehrere Kammermusikwerke : Trios, Streichquartette, Große Fuge, Quintette, Septett ; Klavierkonzert no. 2 ; Ouvertüren : Coriolan, Egmont; Symphonien no. 1 bis no. 8
  • BRAHMS : Violinkonzert, Konzert für Violine, Violoncello und Orchester ; die Sonaten ; mehrere Kammermusikwerke : Trios, Quartette, Quintette, Sextette ; Symphonie no. 1
  • HAYDN : diverse Konzerte (für Klavier, Orgel, Oboe, Trompete, Violine, Violoncello) ; Kammermusikwerke : Violinsonaten, Trios, Streichquartette ; mehr als 15 Symphonien ; das Oratorium Die Schöpfung
  • MOZART : sämtliche Violinkonzerte ; die meisten der Violinsonaten und Kammermusikwerke (Trios, Quartette, Quintette) ; die großen Divertimenti und Serenaden (u. a. Posthornserenade, Kleine Nachtmusik, Musikalischer Spaß) ; 10 Klavierkonzerte, u. a. KV 414, KV 466, KV 488, weitere Konzerte (für Flöte, Flöte und Harfe, Klarinette, Oboe) ; mehrere Ouvertüren (Figaro, Don Giovanni, Zauberflöte) ; mehr als 15 Symphonien, darunter KV 425 (Linzer), KV 504 (Prager) sowie die drei letzten : KV 543, KV 550 in g-Moll und KV 551 (Jupiter)
  • SCHUBERT : Symphonien no. 4, no. 5 und no. 8 (Unvollendete) ; mehrere Kammermusikwerke (Trio, Quartette, Quintette, Oktett) ; Rondo für Violine und Orchester ; Rondo brillant für Violine und Klavier, Phantasie für Violine und Klavier